Sonntag, 10. Juli 2016

Teuer hat hier Hausverbot

Johan hat uns dann sogar noch ins Zentrum gefahren, so dass wir bereits um 13 Uhr an unserem Etappenziel waren. Am Hauptbahnhof, der dank der guten Versorgung mit Internet, Schließfächern, Wärme, Sitzgelegenheiten und preiswertem Kaffee und Zimtschnecken eine beliebte Anlaufstelle - besonders bei Erschöpfung - geworden ist, haben wir ausgiebig Brotzeit gemacht und doch noch eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit gefunden: kostenlos auf einer Zeltinsel im Fjord von Oslo. Zu erreichen mit der Linienfähre mit dem Ticket der öffentlichen Verkehrsmittel. Mit dieser Lösung für die Nacht wurden die Rucksäcke in Schließfächern verstaut und die Stadtbesichtigung konnte losgehen. Nach der ersten Strasenüberquerung wurde Kathi von einer der gemeinen Osloer Stadtguerilla-Bienen am Hals angegriffen und in die Hand gestochen. Nach der ersten Schmerzwelle wurde die Besichtigung fortgesetzt und die Kathedrale, Innenstadt, königlicher Palast, Rathaus und das angrenzende Hafenviertel angeschaut.


















Zuletzt haben wir das fantastische Opernhaus bestiegen und nach kurzem Einkauf (teuer teuer teuer) die letzte Fähre zu unserer Zeltinsel genommen. Etwas skeptisch liefen wir über die unbewohnte aber zum Zelten freigegebene Insel und überlegten, wer hier mit welchen Absichten in den großen Zelten wohl mehr als nur ein paar Nächte hauste. An den vorhandenen Plumpsklos haben wir aber gleich zwei deutsche Interrail-Jungs getroffen und nach kurzem Plausch mit den belgischen Pfadfindern uns dann in deren Mitte für die Nacht niedergelassen.



Während Kathi bereits nachts von Entenherden geweckt wurde, wurden wir letztendlich zwei Stunden vor unserem Wecker von Stimmen wach, die unserem Nachbarzelt mitteilten, dass die Fläche an dieser Stelle geräumt werden müsse. Nach erstem Zusammenpacken haben wir den Grund gesehen: Rasenmäh- und Gartenarbeiten der Stadt, die Anlagen in Schuss hielten. Nach einem kurzen Frühstück haben wir die nächste Fähre wieder ins Stadtzentrum genommen und uns ein weiteres Mal ein Schließfach am Bahnhof gegönnt, um unbeschwert den Stadtteil Grünerløkka und den sehr schönen lebhaften Skulpturenpark Vigeland
besichtigen zu können. Außerdem reagierte Kathi zunehmend allergisch auf den Bienenstich, was ihr viel Kraft raubte und weiterhin Schmerzen verursachte. Auf unserer Stadterkundungstour machten wir auch fleißig Supermarkt-Sightseeing, um herauszufinden, welche Läden wir weiterhin in Norwegen ansteuern können, um nicht komplett unser Budget zu überziehen. Während es in Schweden neben einem spürbar geringerem Preisniveau auch noch bekannte Discounter wie Lidl und Netto gibt, mussten wir erst hier in Norwegen Rema 1000 und Kiwi entdecken.

Da die Fähre nach Bygdøy nicht im öffentlichen Nahverkehrsticket inbegriffen ist, entschieden wir uns, die sehr schöne Halbinsel voller schöner Häuser und der Sommerresidenz der königlichen Familie mit dem Linienbus zu erkunden.



Danach waren wir unsicher, ob wir noch die Besichtigung der Skiflugschanze Holmenkollen, welche auserhalb der Stadt liegt, schaffen würden oder gleich einen Platz für das Deutschlandspiel gegen Frankreich suchen sollten. Wir entschieden uns zu letzterem und stellten uns in die Schlange vom Fussballfesten, einer riesigen abgesperrten Fläche mit etlichen großen Bildschirmen und Moderation. Durch die (zum Glück/leider) schlechte Dursuchung am Eingang konnten wir unsere Flaschen, Einkäufe und  Taschenmesser mithineinnehmen. Wir fanden sogar zwei Plätze auf einer Bierbank mit guter Sicht auf einen der Bildschirme und überlegten, gar ein Bier zu kaufen. Bei Preisen von etwa 12 Euro für 0,5 l des billigsten war die Antwort sofort klar. Die Stimmung war fantastisch und die Norweger auf Seiten der Deutschen, während viele Touristen für Frankreich waren. Der Verlauf des Spiels ist ja allen bekannt und so war die Entrüstung groß. Die Norweger neben uns schienen viel Geld zu haben, wir rechneten in unseren Köpfen mit, wie sie in Kürze über 400 Euro vertranken. Unsere direkten Nachbarn versicherten sich 10 Minuten vor Ende, ob wir Deutsche seien und überließen uns mit den Worten "We have to work tomorrow, drink it up!"
ihren restlichen Wein, der wie wir dann feststellten 66 Euro gekostet hatte.




Aufgebracht über das Spiel, aber entzückt von der Freundlichkeit der Norweger, bekamen wir beim Hinausgehen noch einen Becher Popcorn (Kaufpreis 5 Euro) geschenkt. Als letzte Aktion kam noch etwas unangenehmeres: Spätabends in der Zivilisation einen Schlafplatz finden. Wir fuhren mit dem Zug in einen kleinen Vorort und fanden mit Hilfe von Google maps eine gut geschützte Stelle in einem Wohngebiet. Beide total müde und Kathi immer noch von Schmerzen geplagt, geht es in die Schlafsäcke.

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