Samstag, 23. Juli 2016

Hauptstadtcruising durch Osteuropa

Im Hostel fiel uns sofort der penetrante Geruch nach frischer Farbe auf, was leider auch in unserem Zimmer der Fall war.  Der Gestank und unsere Zimmernachbarn, die schon bei unserer Ankunft sichtlich genervt von ihren neuen Zimmerpartnern waren, sorgten dafür, dass wir schnell wieder los Richtung Stadt zogen. Es war zwar ein Stück in die Stadt und theoretisch hatten wir 24h Tickets, wollten diese aber erst später aktivieren.
Wie immer ging es erstmal auf die Suche nach einem leckeren Kaffee. Unsere Energie war aber nur mäßig, um gross durch die Stadt zu laufen. Wir rissen uns aber zusammen und machten uns doch auf Entdeckungstour durch das Zentrum. Eigentlich hatten wir noch den Plan eine Bar in einer Straßenbahn aufzusuchen und während einer Rundfahrten durch die Stadt ein Bier zu genießen. Allerdings fanden wir nicht die richtige Haltestelle, so dass die letzte Bar-Bahnfahrt schon weg war. Also entschlossen wir uns dazu, eine Stadtrundfahrt mit einer normalen Straßenbahn zu machen. Dies war sehr spektakulär in unserem Skandinavienführer angepriesen und stellte sich leider als eher langweilig heraus, was vlt auch daran lag, dass wir so müde waren und fast einschliefen. Außerdem wurden wir von der Klimaanlage fast tiefgefroren.


Zurück im Hostel trafen wir wieder auf unsere genervten Mitbewohner, die das Hostel wohl den ganzen Tag nicht verlassen hatten. Als wir zurück vom Duschen kamen, hatten diese schon das Licht ausgemacht und unterhielten sich genervt über uns in ihrer Sprache (vermutlich russisch). Die einzige Kontaktaufnahme bestand darin zu fragen, wie lange wir denn blieben und dann erleichtert aufzuatmen, da es nur eine Nacht ist. Wir ließen uns davon nicht einschüchtern und gingen noch in die Küche zum Kochen, wo wir Riccardo, einen Kolumbianer, kennenlernten. Kathi war natürlich sofort Feuer und Flamme und es wurde lange auf Spanisch diskutiert.
Ziemlich spät ging es dann begleitet von genervtem russischen Gemurmel endlich ins Bett.

Am nächsten Morgen standen unsere lieben Mitbewohner extra früh auf und bemühten sich nicht gerade leise zu sein. Unser genervter deutscher Austausch blieb aber aus. Ein paar Stunden später standen wir dann auch auf und nach einem leckeren Frühstück (Müsli!) zogen wir los. Nach weiteren Besichtigungen der Innenstadt und eines Marktes plus Fresshalle nahmen wir die Fähre nach Suomenlinna. Diese Festungsinsel liegt ungefähr 20 min vor Helsinki und eine beliebte Naherholungsanlage und ein Touristen-Magnet. Verteilt auf dem Burggelände stehen viele Häuser, in denen insgesamt 800 Leute wohnen. Eine wirklich schöne Gegend zum Leben, nur würden uns die vielen Touristen nerven. Neben einem Picknick gönnten wir uns auch ein Stündchen Mittagsschlaf und stiegen dann hinab in die Burggänge. Echt ein tolles Gefühl nur mit Taschenlampe bewaffnet durch die sonst dunklen Tunnelsysteme in den Burgmauern zu laufen. Sowohl auf der Fähre hin und zurück als auch auf der Insel trafen wir mehrmals eine Dreiergruppe (unter ihnen auch der Kolumbianer ) aus unserem Hostel. Diesmal ignorierten uns diese aber.

















Wieder zurück auf dem Festland ging es weiter durch die Stadt, wo wir sowohl Saft geschenkt bekamen als auch die Zone der Drogenabhängigen entdeckten. Echt gruselig, wie viele komische Gestalten in Nähe des Hauptbahnhofes herumliefen. Im Hostel packten wir schnell unsere Sachen und machten uns auf den Weg zum Fährhafen. Diesmal kamen wir pünktlich nach finnischer Zeit und die 2,5h Fahrt ging auch schnell vorbei.

Welcome to Estonia: Da waren wir also in Estlands Hauptstadt angekommen. Mitten in der Nacht mussten wir vom Hafen zum Glück nicht weit bis zu unserem Hostel laufen, wo uns ein völlig bekiffter Angestellter unser Zimmer zeigte, das eigentlich ein 10 Bettzimmer sein sollte, aber letztendlich mehrere Zimmer ohne Türen dazwischen mit insgesamt 20 Betten waren. Bad hatten wir eins alle zusammen, nur leider war die Dusche kaputt, wodurch wir netter Weise die Duschen ein Stockwerk weiter unten nutzen durften.  Mit viel Geschnarche im Hintergrund schliefen wir irgendwann ein.

Am nächsten Tag schauten wir uns Tallin an. Unser Anfang im Hafenviertel war geprägt von den Überbleibsel der Sowjetzeit und vermittelte ein sehr unangenehmes Gefühl. Unsere Besichtigungstour führte uns aber sogleich in die extrem schöne Altstadt, die komplett mit Stadtmauer herum an das Mittelalter erinnert, da auch jegliche Bars, Restaurants etc. dieses Motto nutzten. So viele Verkleidete haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Leider sind die engen aber sehr schönen Gassen von Touristen überschwemmt und man kommt kaum durch die Menschenmengen hindurch. In einer russisch orthodoxen Kathedrale hatten wir noch die Gelegenheit eine Hochzeit anzuschauen, die sich durch viel Buch- und Kirchenküsserei auszeichnete.
Tallin hat wirklich eine schöne Altstadt, die einen Besuch wert ist, aber innerhalb eines Tages gut anzuschauen ist. In einem kleinen Laden entdeckte Maurice auch noch eine Art Norweger Pulli, der hier viel billiger als in Norwegen selber war.





















Abends mussten wir auch irgendwie wieder aus Tallin weiterkommen und zwecks mangelnden Möglichkeiten entschieden wir uns fürs Trampen. Allerdings war es schon sehr spät und Lust hatten wir auch nicht wirklich. Wir nahmen erstmal einen Bus, um raus aus der Stadt zu kommen (1€ für eine Dreiviertel Stunde Fahrt). Hier versuchten wir unser Glück, aber niemand hielt an. Ein netter Mann kam uns zur Hilfe und suchte im Internet raus, ob es noch einen Bus nach Riga gab. Und den gab es wirklich: Für 6€ ging noch am selben Abend einer. Mithilfe des Tankstellen WLAN buchten wir die Tickets, aber mussten nun noch eine Möglichkeit zum Drucken suchen, da in Estland mobile Tickets nicht gelten. Wir wurden schließlich in einer nahen Autowerkstatt fündig, wo zwar niemand Englisch oder Deutsch sprach, sie uns aber trotzdem die Tickets ausdruckten. So konnten wir entspannt direkt nach Riga fahren.

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