Dienstag, 26. Juli 2016

Rückkehr durch Raum, Zeit, Klima und Welten

Die Fahrt verlief gut, wir aßen von unserem Proviant, schauten Filme nach Lust und Laune und hörten auch etwas in die Playlist russischer Musik rein, die die Bord-Mediathek zu bieten hatte. Nach gefühlt wenigen Stunden waren wir in Vilnius und konnten dank der zehnminütigen Pause aussteigen und so machten wir uns gleich über ein Bier her. Der eh schon zeitlich begrenzte Genuss (sehr gutes Bier!) wurde uns noch etwas verkürzt, als ein litauischer Sicherheitsmann uns schimpfende Gesten zuwarf und sich in unsere Richtung aufmachte. Ein letzter großer Schluck und schnell in den Bus, so entgingen wir näheren Kontakt mit ihm und fanden so gleich im Internet die Erklärung: Alkoholkonsum an öffentlichen Plätzen ist nicht erlaubt und wird auch mit Geldstrafen belegt (wie auch in Lettland).




Die Fahrt ging weiter und langsam machten sich doch das lange Sitzen bemerkbar. Die ersten Versuche zu schlafen scheiterten an der Unbequemheit der Sitze, hier zeigte sich die negative Seite des großen Abstandes zum Nachbarsitz, indem man sich nicht anlehnen konnte. Während es Kathi ab und zu gelang, für kurze Zeit zu schlafen, hatte Maurice große Probleme (und Maurice kann sonst überall und bei Lärm schlafen). Außerdem machte sich ein Schmerz in seinem Hals bemerkbar, vermutlich herrührend durch die Klimaanlage des Busses, der immer stärker wurde und auch mit Schal nicht besser wurde. Eine Grenzkontrolle beim Übertritt von Litauen nach Polen brachte etwas Unruhe in den Bus und handelte uns etwas Verspätung ein. So wurde die Fahrt lansgam zur Qual und es schien wie eine Erlösung, als gegen 6 Uhr früh beim Halt in Warschau die Plätze neben uns auf der hintersten Bank frei wurden. Wir legten uns quer und die Beine übereinander, wodurch Kathi öfters litt, weil Maurice sie im Schlaf vom Sitz drängte oder mit dem Gewicht der Beine belastete. Dennoch konnten wir so zum ersten Mal zu kurzem richtigen Schlaf finden.  
Die restliche Fahrt bewältigten wir halbwach, während Maurice' Gesundheitszustand sich immer mehr verschlechterte.
Außerdem wollen wir anmerken, dass es auf unserer Reise nach Deutschland immer heißer  und schwüler wurde, eine Erfahrung, die unsereins normalerweise wahrnimmt, wenn man von Deutschland in mediterrane Gebiete fährt.


Pünktlich gegen 13:30 Uhr erreichten wir dann den Berliner Busbahnhof. Unser eigentliches Vorhaben war, von Berlin noch nach Würzburg zu trampen, aber als wir das Thema ansprachen und uns ansahen, fingen wir sofort an, preiswerte Alternativen zu suchen. Gesundheit, Motivation, Lust und der Umstand, dass wir mitten in Berlin waren und zum trampen sehr weit aus dem Zentrum raus gemusst hätten war, uns einfach zu viel. Glücklicherweise fand sich eine Mitfahrgelegenheit für 14 Uhr, die wir noch klarmachen konnten und zu deren Abfahrtsort wir uns sofort aufmachten. 
Markus war ein netter Informatiker, der uns auch noch Zeit gab, schnell eine Toilette zu suchen, bevor die Fahrt los ging.
Es ging uns beiden nicht gut, weil Maurice  - auf der Sonnenseite - überhitzt und von stickiger Luft umgeben und Kathi - auf der Schattenseite - durchgekühlt von der Klimaanlage, wir beide auch noch  von diversen unguten Gerüchen belastet wurden, die von mehreren Insassen verursacht wurden.
Nach etwas Stärkung durch Proviant und einer Tankpause, an der wir uns noch ein wohltuendes Eis kauften, nahmen wir die restliche Fahrt in Kauf. Maurice plagten starke Schmerzen am Hintern durch das lange gleichartige Sitzen und sein Kreislauf wurde durch die lange Reise immer schwächer.

Dann kam aber noch ein Glücksfall hinzu: Unser Fahrer beschloss komplett bis nach Würzburg zu fahren, weil wir durch den vielen Verkehr so spät dran waren, dass er die Besuchszeit im Schweinfurter Krankenhaus verpasst hatte und die Mfg nur bis Schweinfurt hätte gehen sollen (wo uns aber Kathis Mutter gerne abgeholt hätte).
Nett wir er war, fuhr uns Markus sogar noch bis zu Maurice nachhause.
Wir stiegen aus dem Auto, holten unser Gepäck raus, verabschiedeten unseren Fahrer und gingen ins Haus...

Über 25 Stunden am Stück Heimfahrt, über 1.900 km auf Rädern, 4 Länder (jeweils über die Hauptstadt). Es war geschafft! 
Völlig erschöpft wurden wir mit einem üppigen Abendessen empfangen, schafften aber kaum etwas zu essen, unsere Körper verlangten so sehr nach Schlaf. Jedoch sortierten wir noch kurz die Sachen auseinander und öffneten auch das Paket von Heinke und Norbert, welches mit unserem überflüssigen Gepäck und einer lieben Karte auf uns wartete. Es wog 7,5 kg und wir vermissten auf der Reise nichts davon! Hier noch mal ein herzliches Dankeschön an euch liebe Menschen aus dem Norden! Kurz darauf wurde Kathi von ihrer Mutter abgeholt, nach so einer langen Reise will jeder gerne zu seinem Zuhause.
Während Maurice sich ins Bett schleppte und mit leichtem Fieber sofort einschlief, war Kathi wieder zu Kräften gekommen und erledigte gleich angesammelte Arbeiten. Sie stand sogar am nächsten Tag um 7 Uhr wieder auf, um mit ihrer Stufe den Abistreich durchzuführen, während Maurice sich erst noch langsam erholt.
Die Abrechnung brachte uns die Gewissheit, dass wir an unserem ursprünglichen Ziel, die gesamte Reise mit 500 Euro pro Person zu stemmen, sehr weit vorbei gerauscht sind. Auch wenn uns die Woche voller Regen in Norwegen viel Geld gekostet hat, wären wir auf der restlichen Reise nicht mit unseren niedrigen Budget hingekommen.
Das betrübt unsere Erinnerungen an diese einzigartige und unvergessliche Reise aber keineswegs. Wir haben fantastische Plätze gesehen, tolle und herzliche Leute getroffen und unvergessliche Erfahrungen gemacht. 

Wir werden noch einen Nachtrag zu diesem Beitrag machen, wenn wir ausgewertet haben, wie viel Strecke wir getrampt sind und auch eine Karte mit hochladen, auf der man unseren Weg nach vollziehen kann.

 

 Der Link zur Karte:
 https://drive.google.com/open?id=1awAjJnDlChMWfooo3oo6ONv_w1U&usp=sharing